die Sonntagskolumne

„Ich fordere ein Effizienzgesetz!“

von Stefan Alexander Siegle

Wie die „Rheinische Post“ in ihrer Donnerstagsausgabe zitiert, hat sich das SPD-geführte Spaß- und Umweltministerium mal wieder etwas lustiges einfallen lassen. Nachdem das Artensterben durch Sigmar Gabriels Patenschaft für Eisbär „Knut“ nun endlich endgültig besiegt ist geht der Aktionismus-Wettbewerb in eine neue Runde: Staatssekretär Michael Müller (SPD) fordert ein Effizenzgesetz nach Japanischem Vorbild mit „Top Runner“ – System. Das bedeutet, dass in jeder Gruppe das effizienteste Haushaltsgerät als Maßstab angenommen wird. Fünf Jahre später dürfen Geräte mit geringerer Effizienz nicht mehr verkauft werden.

Endlich wird den Komplizen des Treibhauseffekts, Glühbirne, Toaster und Co. der Kampf angesagt! Gesetzlich soll nun also vorgeschrieben werden, wieviel Energie der Standard-Mixer verbrauchen darf. Aber wer soll bitte bestimmen, was der effizienteste Mixer ist? Die sind untereinander nämlich grundverschieden. Ist das das Ende der aufgetoasteten Liebesbotschaft und des Kühlschranks mit integriertem Fernseher?

Müllers Forderung ist natürlich Unsinn. Gesetzlich müsste eine Verbrauchsgrenze nicht nur für Toaster, sondern auch für Toaster mit „Liebesbotschaft-aufbrenn“-Funktion, Toaster mit 4er-Fach, Toaster mit Kindersicherung und so weiter ermittelt und festgelegt werden. Und das bei allen Haushaltsgeräten. Alle fünf Jahre. Bei grob geschätzt tausend Zillionen Kombinationsmöglichkeiten wird das ein Heidenspaß. Alle Ingenieure weltweit wären von der Straße. Und Deutschland pleite.

Bemerkenswert auch der Ansatz, die effizienteste Technologie nach fünf Jahren allen Herstellern gesetzlich vorzuschreiben. Folgendes Gedankenexperiment: Hersteller A erfindet einen revolutionären Motor, der seine Ventilatoren 40% sparsamer macht. Da Hersteller A aber Patente auf mindestens 15 Jahre an seinem Motor hat, gehen Hersteller B, C, D, E, F, G und H in Konkurs. Ihre Produkte sind ja fortan verboten. So sieht Politik mit Weitsicht aus.

Wir brauchen funktionierenden Wettbewerb um das innovativste Produkt und die anwenderfreundlichsten Lösungen. Der Kunde soll auswählen dürfen, ob er 20% Mehrverbrauch seiner Küchenmaschine für 15% Mehrleistung in Kauf nimmt. Oder für die praktische Knetfunktion. Geräte, die sich einzig durch einen höheren Verbrauch von den Konkurenzapparaten unterscheiden, haben am Markt doch sowiso keine Chance. Und da ein Effizienzgesetz nicht für jede mögliche Gerätekombination einen Höchstwert festsetzen kann, werden die Hersteller stets ausweichen können um Grenzen zu umgehen. Wasserkocher gibt es dann wegen der Beschränkungen keine mehr. Nur unbeschränkte Kocher mit Radiofunktion oder Spülmaschinen mit eingebautem Plattenspieler. Nicht zu vergessen der Staubsauger mit eMail-Postfach. Was soll der Blödsinn?

Wenden wir uns doch bitte wieder ernsthafter Umweltpolitik zu.

Bild: „hellokitty Toaster“ – dintyMOOREdeadly:GrandTheftAutumn;“Logo Toast“ – annia316;“ Egg & Muffin Toaster“ – NickStarr; „Toaster!!“ – wonderjunkie www.flickr.com Some rights reserved

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